die Kalenderblätter

Ich habe einen Traum gepflanzt

Ich habe einen Traum gepflanzt
in den Mußestunden der Seele,
wenn das Herz
fassungslos still steht
vor der Weite seines eigenen Himmels.

 Kalligrafie: Hans Neidhardt

Wenn Worte überflüssig werden

Wenn Worte überflüssig werden,
weil der Augenblick
bis an den Rand
mit Sinn gefüllt ist,
beginnt das Leben
unwiderstehlich von sich zu erzählen
und führt uns mitten hinein
in faszinierende Geschichten –
wenn wir nur lauschen.

Kalligrafie: Marí Emily Bohley

Tagesprogramm

Heute will ich aus dem Rahmen fallen und weich landen, dann zu der Musik in meinem Kopf schön aus der Reihe tanzen, mich zum Ausruhen zwischen die Stühle setzen, danach ein bißchen gegen den Strom schwimmen, unter allem Geschwätz wegtauchen und am Ufer der Phantasie so lange den Sonnenschein genießen, bis dem Ernst des Lebens das Lachen vergangen ist.

Kalligrafie: Susanne Schwarz

Verwandlungskünste

Einen Elefanten
aus einer Mücke machen
kann jeder.
Eine Mücke
aus einem Elefanten machen
kann nur ein Lebenskünstler.

Kalligrafie: Gudrun Illert

Glück und Verstand

Wer mehr Glück als Verstand haben will,
darf seinen Verstand
nicht seinem Glück in den Weg stellen.

Kalligrafie: Birgit Nass

Entlastungsvorschlag

Warum so viel dem Zufall überlassen? Der ist ohnehin überlastet von der Unzahl unerfüllter Sehnsüchte. Wenn wir endlich all das Schöne tun, wovon wir nur zu träumen wagen, wird es traumhaft schön zwischen uns zugehen.

Kalligrafie: Moni Pfaff

Die wichtigen Dinge

Über die wirklich wichtigen Dinge
redet man nicht, wenn man sie erlebt.
Man wird von ihnen überwältigt
und zum Schweigen gebracht.
Das Reden beginnt dort,
wo das Erleben nachlässt.

Kalligrafie: Frank Fath

Ineinander

Laß es nie normal werden zwischen uns,
damit kein einziger Alltag uns befällt
wie eine Krankheit.
Laß uns im Freien wachsen
jenseits der Zäune und Mauern
hinter denen Natur betrogen
und die Zeit versklavt wird.
Kein Staub fällt auf Blicke,
die ineinander ihren Sinn sehen.

Kalligrafie: Andrea Wunderlich

Die richtige Dosis

Mit der Geduld
ist es wie mit den Arzneien.
Zu wenig bewirkt nichts.
Zu viel kann schaden.
Man muß die richtige Dosis wissen.

Kalligrafie: Antje Heise

Frei und unfrei

Den wirklich Freien erkennt man daran, daß er keine Angst hat, seine Freiheit zu verlieren. Und der Unfreie hat sogar Angst davor, seine Unfreiheit aufzugeben.

Kalligrafie: Birgit Nass

Weise Unvernunft

Es liegt eine Weisheit in der Unvernunft, die sich die Vernunft nicht träumen läßt, zumal sie nicht träumen kann.

Kalligrafie: Hans Neidhardt

Das eigentliche Leben

Das eigentliche Leben liegt in der Tiefe des Empfindens – unter der Oberfläche der Alltäglichkeit. Über der Oberfläche ist alles Sein nichts als ein Schatten seiner selbst – im trügerischen Licht der Gewohnheit. Wie leicht ist es, zu leben, ohne wirklich zu sein. Wie selten triumphiert das Eigentliche über den Schein. Dieses Verhältnis umzukehren liegt an uns allen.

Kalligrafie: Denise Lach

Grenzen vergessen

Türen öffnen,
Räume entdecken,
Grenzen vergessen.
Wir sind weit mehr, als wir ahnen.
Innere Augen öffnen,
durch Mauern spazieren,
über Abgründe springen.
Alle Wege ins Freie
führen nach innen.

Kalligrafie: Beate Ripka