Focusing (2)

ein paar persönliche Anmerkungen zu “Focusing:

Im Jahr 1977 hat “Experiencing and the Creation of Meaning” von Gene Gendlin mir meine Diplomarbeit (und mein Psychologie-Studium) gerettet. Und ich bin dankbar für die Gelegenheiten, wo ich Gendlin persönlich kennenlernen durfte. Seine Texte lesen sich dadurch nochmal anders, weil ich dabei das gesprochene Wort noch “im Ohr” habe.

Meine persönliche Geschichte mit “Focusing” folgt, wie ich heute sagen würde, gewissermaßen einer Art “innerer Logik”. Gendlin nennt das in seiner eigenwilligen Sprache “order of carrying forward”, von Johannes Wiltschko mit “Fortsetzungsordnung” übersetzt. Eine Folgerichtigkeit des Lebens, die man vorher meistens nicht erkennen kann – im Nachhinein dann aber zweifelsfrei an-erkennt, dass es genau so und nicht anders kommen musste, und dass man das doch auf irgendeine Weise (implizit) anscheinend gewusst hat, obwohl man es (explizit) noch nicht wusste.

Im Rückblick auf die vergangenen 40 Jahre finde ich unzählige große und kleine Belege dafür, wie der “richtige” nächste Schritt vom Körper impliziert wird und sich dieser Schritt dann im Nachhinein oft als “folge-richtig” herausstellt.

Klaus Renn und ich haben uns damals (1980) in Partnerschaftlichem Focusing autodidaktisch gegenseitig in Focusing ausgebildet – mit den ‚sechs Schritten‘ als Spickzettel dabei.

Und mich beeindruckt bis heute, wie der von innen gespürte Körper den für den gegenwärtigen Augenblick genau passenden nächsten (Erkenntnis- oder Handlungs-) Schritt mit einer energetischen Bewegung validiert – ein tieferes Atmen, ein unwillkürliches Lächeln… (Felt Shift).

Dieses Leben „von Shift zu Shift“ macht auch Schweres im Leben manchmal auf bemerkenswerte Weise leicht. Letztlich unterstützt mich Focusing dabei, radikal „ja“ zu sagen zu dem, was ist.

Ich glaube, dass es noch immer unterschätzt wird, wie sehr frisches, kreatives Denken und unmittelbares körperliches Empfinden eine Einheit sind. Denken – i.S. David Bohms – als “thinking” und nicht als “thoughting” (nach-denken von schon Gedachtem). Und körperliches Empfinden als bewusstes Erleben des Körpers in einer Situation, wobei die Situation im Körper und der Körper in der Situation ist (Gendlin).
Körper und Situation: eine Inter-Aktion, ein lebendes System. Der lebendige, gefühlte Körper ist ein “systemischer” Körper.

Und weil der Körper immer auch ein mehr oder weniger “konditionierter Körper” ist, der seine Lerngeschichte gespeichert hat, finde ich neben Focusing auch die Beschäftigung mit “Strukturen” (Mustern – siehe z.B. das Enneagramm) extrem wichtig.

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